Der ursprüngliche Jakobsweg
(Camino Primitivo)

Ein Einsiedler hatte im Wald von Libredón seltsame Lichter gesehen, die den Weg zu einem Grab wiesen, in dem nach allen Anzeichen die Überreste des Apostels Jakobus lagen. König Alfonso II. wollte, gemeinsam mit seinem Gefolge, die Entdeckung mit eigenen Augen betrachten und ordnete den Bau eines Grabtempels an, den er einer Bruderschaft von Mönchen anvertraute.
Abschnitt : Berducedo - Grandas de SalimeAbschnitt : Berducedo - Grandas de Salime.

In den ersten Jahren des neunten Jahrhunderts machte sich Bischof Teodomiro, verantwortlich für die Diözese Iria Flavia im westlichsten Teil des Königreichs Asturien, auf zum Hof von Oviedo, um seinem König eine sehr wichtige Nachricht zu überbringen.

Soweit die Legende. Die Entdeckung der Grabstätte des Heiligen Jakobus kam dem König zupass, da er gerade die internen Revolten unterdrücken und den Rückeroberungskrieg mit den Muslimen rechtfertigen musste. Wenn ein Diener des Herrn die asturischen Lande als seine letzte Ruhestätte gewählt hatte, dann doch sicher nur deshalb, weil Asturien durch göttliche Gnade gesegnet war. Infolgedessen mussten die Menschen im Lande geeint werden, und den Invasoren war schnell bewusst, dass ihre geplante Übernahme zum Scheitern verurteilt war.

DIE ETAPPEN

Der Camino Primitivo durch Asturien kann in sieben Etappen unterteilt werden, wobei diese dank der ausreichenden Anzahl von Unterkünften und Herbergen so viele Unterteilungen und Abstecher erlauben, wie es dem Pilger beliebt. In den Herbergen können die Pilger dann ihre müden Füße ausruhen. Bis zur vierten Etappe folgt die Route einem Weg. Danach stehen dann zwei Optionen zur Verfügung: Weiter bis Pola de Allande, wie es der offizielle Camino vorschreibt, oder über die so genannte Ruta de los Hospitales (der Weg der Krankenhäuser). Im letzteren Fall empfehlen wir eine Übernachtung in Campiel.lu/Campiello oder in Bourres/Borres.

Man vermutet heute, dass der Abstecher über die Ruta de los Hospitales -der wegen der noch erhaltenen Ruinen verschiedener Krankenhäuser und Herbergen für die Pilger so genannt wird- zum ursprünglichen Camino Primitivo gehört. Weil er aber mit seinen steilen Anstiegen durch verlassene Gegenden sehr anstrengend ist, haben sich die Pilger nach und nach auf den Weg Richtung Pola de Allande verlagert. Wer sich aber entscheidet, diese Route zu gehen, der findet sich inmitten einer traumhaft schönen Landschaft wieder, in der die Natur sich in ihrer ganzen Herrlichkeit entfaltet. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie körperlich fit sind. Die Ruta de los Hospitales vereint sich in Montefurado, etwa acht Kilometer von Berducedo entfernt, wieder mit der offiziellen Wegstrecke.

  • 1. Oviedo - Grau/Grado 25,6 km
  • 2. Grau/Grado - Salas 22,5 km
  • 3. Salas - Tinéu/Tineo 19.7 km
  • 4. Tinéu/Tineo - Pola de Allande 27,0 km
  • 5. Pola de Allande - Berducedo 17,4 km
    • Variante de Hospitales:
    • 5.1. Salas - Bourres/Borres 35,5 km
    • 5.2. Bourres/Borres - Berducedo 24,4 km
  • 6. Berducedo - Grandas de Salime 20,1 km
  • 7. Grandas de Salime - Galicia 13,2 km
Pilgers (Las Regueras)Pilgers (Las Regueras).
Karte Der ursprüngliche Jakobsweg
Die historischen Quellen sind nicht sehr zuverlässig und es gibt keine Daten, die es uns erlauben, die genaue Reiseroute des asturischen Königs zu bestimmen. Es erscheint aber nur logisch, dass er und seine Familie in diese abgelegene Ecke von La Gallaecia der römischen Straße folgten, die Lucus Asturum (dem heutigen Lugo de Llanera) mit Lucus Augusti (Lugo) verband, und dort dann wiederum mit derjenigen, die über Iria Flavia (Padrón) bis Bracara Augusta (Braga) führte.

Ein Weg, der nicht nur treu den Schritten folgt, die Alfons II. als erster Pilger zum Grab des Apostels unternommen hätte, sondern auf dem auch heute noch die ursprüngliche Seele der ersten Pilgertouren nachempfunden werden kann. Dies erklärt auch, warum er das Interesse einer steigenden Zahl von Pilgern weckt, die sich dafür entscheiden, ganz im Stil der mittelalterlichen Pilger in das ferne Compostela zu wandern.


Dies war also der erste belegte Jakobsweg der Geschichte, und diese Route bildet das, was wir heute als den Camino Primitivo, den primitiven oder auch ältesten Weg kennen.

Fresno Heiligtum (Grado)Fresno Heiligtum (Grado).
Die letzte Grenze des Christentums

Statue des Pilgers (Tineo)Statue des Pilgers (Tineo).
Der erste Jakobsweg führte also durch die Ländereien des Königreichs Asturien, der letzten Hochburg der Christenheit, als sich die arabischen Besetzer bereits einen Großteil der Iberischen Halbinsel gesichert hatten. Die Tatsache, dass er den Weg zwischen dem Königssitz Oviedo und der letzten Grenze der bekannten Welt - Compostela, im finis terrae - markierte, hat seiner Bedeutung als Pilgerweg einen starken symbolischen Wert verliehen. Diese historische und emotionale Würdigung ist auch heute noch spürbar, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Wer sich mit den Jakobswegen besser auskennt, zögert nicht, darauf hinzuweisen, dass der Camino Primitivo mit seinen 321 Kilometern derjenige ist, der es am besten verstanden hat, die Seele dessen zu bewahren, was die alten Reisenden umgaben, die ihre Heimat verließen, um sich auf die Suche nach dem Grab des Heiligen Jakobus aufzumachen. Diese wahre Behauptung lässt sich durch geografische, wirtschaftliche und soziale Faktoren erklären.

Stausee Grandas de SalimeStausee Grandas de Salime.
Von Oviedo nach Grandas de Salime führt die Route durch die zentrale Region des südwestlichen Asturiens über die Gemeinden Las Regueras, Grado, Salas, Tineo, Allande und Grandas de Salime. Es handelt sich dabei um ein Gebiet mit einer komplexen Orographie die bis vor kurzem die Entwicklung einer guten Infrastruktur behinderte und daher etwas abseits vom zentralen Bereich der autonomen Gemeinschaft blieb, wo sich der Großteil der Bevölkerung dank einer starken Industrialisierung und eines wachsenden Booms im Dienstleistungssektor konzentriert. So haben die Ländereien dieses einzigartigen „Endes der Welt", das der Camino Primitivo kreuzt, ihre Verbindung zur Landwirtschaft und zum Viehbestand bewahrt und auch die Dörfer und Weiler haben sich weitgehend intakt erhalten. Sie liegen inmitten einer rauen Landschaft von unvergleichlicher Schönheit, die nicht immer leicht zu bezwingen ist, im Gegenzug aber unvergessliche Eindrücke bietet und durch einige der weniger bekannten Gegenden Asturiens führt.

Kathedrale von San Salvador (Oviedo)Kathedrale von San Salvador (Oviedo).
Was die Steine zu erzählenhaben

Kathedrale von Oviedo
Der Camino Primitivo beginnt an den Toren der Kathedrale von Oviedo, einem gotischen Tempel, der im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Baustile in sich vereint. Sein einziger Turm beherbergt die Heilige Kammer, ein vorromanisches Bauwerk, das einst als Palastkapelle von Alfonso II. diente. Darin aufbewahrt werden das Cruz de la Victoria (Siegerkreuz), das Cruz de los Angeles (Engelskreuz), die Embleme der autonomen Region und der Stadt, die sie auch in ihren Wappen tragen. Außerdem steht hier die so genannte „Heilige Arche" mit gleich mehreren Reliquien. Dazu gehört auch das Heilige Grabtuch, das Oviedo im Mittelalter zu einem beliebten Anziehungspunkt der Christenheit machte. Im romanischen Zeitalter wurde die Heilige Kammer deutlich erweitert. Dadurch wurde sie ihres vorromanischen Ursprungs beraubt, dafür aber mit einem ihrer größten Schätze ausgestattet: Ein beeindruckendes Apostolat, das einige Meister Mateo, dem Bildhauer des Portico de la Gloria in Santiago de Compostela.

Santa Eulalia de Valduno Heiße Quellen (Las Regueras)Santa Eulalia de Valduno Heiße Quellen (Las Regueras).
Der Romanik werden auch die Schnitzerei des Erlösers auf der Südseite des Querschiffes zugeschrieben, vor der viele Pilger ihre Reise nach Santiago begonnen haben. Bereits am Anfang können wir dabei Schmuckstücke wie die römischen Bäder von Santa Eulalia de Valduno und die Kapelle der Dolores in Grau/Grado bewundern, deren äußere Schlichtheit einige überraschende Elemente aus dem Churriguerismus verbirgt. Daneben zeugen das Palais der Miranda-Valdecarzana und die kürzlich rekonstruierte mittelalterliche Mauer von der Bedeutung des Dorfes Moscona, dessen Sonntagsmarkt immer noch einer der Ruta del Cares berühmtesten und meistbesuchten in Asturien ist.


Die Kathedrale ist dabei nur die erste der Sehenswürdigkeiten, die wir auf einer Route bewundern können, die, obwohl sie sich mehr durch ihre natürlichen und landschaftlichen Reize als durch ihr monumentales Erbe auszeichnet, künstlerische Höhepunkte enthält, die man sich unbedingt einmal genauer anschauen sollte.

Colegiata de Santa María la Mayor (Salas)Colegiata de Santa María la Mayor (Salas).
Das Kloster San Salvador de Cornellana verbindet romanische und barocke Architektur inmitten eines ruhigen Ortes und war eines der bedeutendsten Klöster der nördlichen Halbinsel, wie man aus seiner Größe und seiner privilegierten Lage schließen kann. Ganz in der Nähe, in den sogenannten Casas del Puente (Brückenhäusern), fand einst die Schlacht statt, in der Ramiro I. den Thron von Oviedo für sich gewinnen konnte, nachdem er seinen Gegner, Nepociano, besiegt hatte. Diese Schlacht hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Zukunft des Königreichs Asturien. Die Stiftskirche von Salas, eine Stadt mit einem unverwechselbaren mittelalterlichen Flair, wartet mit einem gotischen Stil auf und ist mit dem prächtigen Mausoleum des Inquisitors Fernando de Valdés ausgestattet, der einst dem Königlichen Rat von Kastilien vorstand und die Universität von Oviedo gründete.


Hinter Tinéu/Tineo treffen wir dann aber auf eine der großen Überraschungen auf dem Camino Primitivo. Dabei handelt es sich um das Kloster Santa María la Real de Obona. Um dorthin zu gelangen, muss man etwa vierhundert Meter von der Route abweichen, ein Umweg, den Sie dennoch in Erwägung ziehen sollten.

Das verlassene Kloster, dessen Geschichte mit zahlreichen Legenden geschmückt ist, besitzt eine außergewöhnliche romanische Kirche und einen wunderschönen barocken Kreuzgang und beherbergt vor allem eine herrliche Christusfigur, die Experten als eines der größten Juwelen des spanischen Mittelalters betrachten.

Das Palais der Cienfuegos von Peñalba, das hoch über den Häusern von Pola de Allande thront, ist eines der besten Beispiele für adlige Gebäude dieser Gegend, die im Stil des ländlichen Barock errichtet wurden. Auf dem Gipfel des Puerto del Palo sind noch die Reste eines römischen Stausees zu sehen, von dem es heißt, dass hier eine Gruppe von Hexen den letzten dokumentierten Hexensabbat in Asturien feierte.

Grandas de SalimeGrandas de Salime.

Ganz in der Nähe liegt das Dorf Montefurado, ein wunderschönes Örtchen, das seinem Namen den Goldminen verdankte, die hier von den Römern ausgebeutet wurden. Diese wiederum gehören zu den letzten Höhepunkten des Camino Primitivo.

Pola de AllandePola de Allande.
Um sie zu erreichen, müssen die Pilger den Ort Buspol, in dem eine der ältesten Glocken der Region aufbewahrt wird, passieren und den schönen Stausee von Salime umrunden, der hinter einem Damm gebaut wurde, der ein wunderschönes Wandbild von Joaquín Vaquero Turcios verbirgt. In der Stadt Castro widersteht der bewundernswerte Chao Samartín dem Wetter und dem Lauf der Zeit. Die vorrömischen Häuser und die Ruine der ehemaligen römischen Villa des sogenannten „Herrn von Grandas" zeugen von der Bedeutung, die diese Ortschaften während des goldenen Zeitalters des Imperiums genossen. Wenige Kilometer weiter westlich markiert der Gipfel des Acebo die Grenze nach Galicien.

Pilgers (Tineo)Pilgers (Tineo).

Streckenplan und Etappen der ursprüngliche Jakobsweg

Oviedo-Galicia: 145,5 km (141,9 km durch Hospitales).
Oviedo - Grau/Grado - 25,6 km | 7 h.
Oviedo | Las Campas | Lampajúa | Loriana | Malpica | Gallegos | El Escamplero | Valsera | Premoño | Valduno | Paladín | Puerma | Anzu/Anzo| Peñaflor | Grau/Grado
Grau/Grado - Salas - 22,5 km | 7 h.
Grau/Grado | Las Tiendas | La Llamiella | San Xuan/San Juan | El Freisnu/ El Fresno | Doriga | Casas del Puente | Cornellana | Llamas | Quintana | Casazorrina | Otero | Salas
Salas - Tinéu/Tineo - 19,7 km | 6 h.
Salas | Porciles | Bodenaya | La Espina | La Preda/La Pereda | L'Espín/El Espín | Bedures | El Pedregal | Santolaya/Santa Eulalia | Zarracín | Tinéu/Tineo
Tinéu/Tineo - Pola de Allande - 27,0 km | 8 h.
Tinéu/Tineo | Oubona/Obona | Vil.lal.luz/Villaluz | Vega de Rey | Verrugosu/Berrugoso | Campiel.lu/Campiello | El Freisnu/El Fresno | L'Espín/El Espín | Bourres/Borres | San Brismu/Samblismo | La Mortera | Colinas d'Arriba/Colinas de Arriba | Porciles | Ferroy | Pola de Allande
Pola de Allande - Berducedo - 17,4 km | 6 h.
Pola de Allande | El Mazo | Montefurado | Lago | Berducedo
Berducedo - Grandas de Salime - 20,1 km | 7 h.
Berducedo | La Mesa | Buspol | El Salto/Vistalegre | Grandas de Salime
Grandas de Salime - Galicia - 13,2 km | 3 h.
Grandas de Salime | A Farrapa/La Farrapa | Cereixeira/Cereijeira | Castro | Padraira | Xestoselo/Gestoselo | Penafonte/Peñafuente | Bustelo del Camín/Bustelo del Camino | Puerto del Acebo
Abstecher über Ruta de los Hospitales:
Salas - Bourres/Borres - 35,5 km
Salas > Oubona/Obona | Vil.lal.luz/Villaluz | El Freisnu/El Fresno | Bourre/Borres
Bourres/Borres - Berducedo - 24,4 km
Bourres/Borres | La Mortera | Tineo | Montefurado | Lago | Berducedo
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